Das Peter von Danzig Manuskript ist die wichtigste und am meisten verwendete Quelle historischer Fechter im deutschsprachigen Raum.

Kaum ein HEMA-Event kann besucht werden ohne über eine Schar der Peter von Danzig Manuskripte zu stolpern. Wenn ihr mit HEMA anfangt, macht ihr mit dieser Quelle nichts falsch!

Datiert wird das Manuskript auf 1452, wir befinden uns also im Spätmittelalter. Doch wie sahen Rüstungen und Schwerter zu dieser Zeit aus? Dieser Artikel wird euch einen Überblick darüber geben.

Selbstverständlich ist es nicht möglich eine so große Zeitspanne in einem Blogartikel adäquat zu beschreiben, aber ein paar Rahmendaten zur Übersicht kann man doch liefern. 😉

Bezugsquellen

Ihr findet das Manuskript online auf Wiktenauer sowie bei Hammaborg und könnt es natürlich auch in einer exzellenten Fassung von Dierk Hagedorn als Buch erstehen.

Über das Fechtbuch

Da der Großteil des Manuskriptes nicht von Peter von Danzig stammt, wird das Buch auch häufig mit seiner (deutlich weniger eingängigen) Regalnummer Codex 44 A 8 oder noch seltener MS 1449 bezeichnet. Im englischen Sprachraum teils auch Pseudo Peter von Danzig.

Dieses Fechtbuch wird auf 1452 datiert, ist in Frühneuhochdeutsch geschrieben und liegt in der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom.

Es enthält Techniken in der Liechtenauertradition zum Langen Schwert, dem Roßfechten und zum Kampffechten in Rüstung dem sogenannten Halbschwert und .

Zudem enthält es Abschnitte zu Schwert & Buckler, Ringen, Dolch und dem Ringen in Rüstung am Boden dem sogenannten Unterhalten & Aufstehen von Authoren wie Andre Lignitzer, Martin Huntfeldt und Ott Jud sowie den abschließenden Abschnitt zum Halbschwert von Peter von Danzig selbst.

Da Bücher damals zur Vervielfältigung wieder und wieder abgeschrieben worden sind ist der Inhalt des Fechtbuches aller Wahrscheinlichkeit nach noch wesentlich älter.

Weitere Fechtbücher aus dieser Zeit

In den gleichen Zeitraum wie das Peter von Danzig Manuskript fallen auch andere Fechtbücher, die uns ebenfalls einen Einblick in die Zeit liefern können.

Hans Talhoffer

Dazu gehören unter anderem die vier Fechtbücher von Hans Talhoffer. In diesen Fechtbüchern gibt es zwar nur wenig Text, dafür geben einem die Abbildungen einen interessanten Einblick in die Zeit und in die Vorbereitung auf einen Gerichskampf.

Dierk Hagedorn hat eines der Talhoffer Fechtbücher transkripiert und ins moderne deutsch übersetzt.

Gladiatoria

Etwa 10 bis 20 Jahre früher sind die sogenannten Gladiatoria Manuskripte entstanden, die sich mit dem gerüsteten Gerichtskampf beschäftigen.

Auch hier hat Dierk Hagedorn, wie könnte es anders sein, eine sehr schöne Transkription als Hardcover veröffentlicht.

“Deutschland” zur Mitte des 15. Jahrhunderts

Deutschland gab es zu der Zeit als Land freilich noch nicht, darum hier ein paar Rahmendaten zur zeitlichen Einordnung:

  • Politisch war das Heilige Römische Reich Heimat für die oben genannten Fechtmeister und wurde seit 1437 von den Habsburgern regiert.

Rüstungen im 15. Jahrhundert

Der bevorzugte Stil der Rüstungen unterscheidet sich je nach Region und genauem Zeitraum, da er wie alles andere Moden unterlag. Leider sind nur sehr wenige komplette Rüstungen aus dem 15. Jahrhundert erhalten.

In der Einleitung der Hagedornschen Gladiatoria Transkription ist gar zu lesen, dass 95% der bis heute erhaltenen Rüstungen aus der Zeit nach der Schlacht von Agincourt von 1415 stammen.

Italienische Rüstung ca. 1450
Italienische Rüstung ca. 1450. Foto vom Walters Art Museum.

Helmformen

Da beim Ernstkampf im Harnisch versucht wird mit dem Halbschwert zu den Blößen der gegnerischen Rüstung zu arbeiten, kommt der Helmform und ihrer Blößen ein besonderes Gewicht zu.

So lesen wir mehrfach in den Kampffechten und Halbschwert Kapiteln wir sollen dem Gegner zum Gesicht stechen. Hat man nun komplett geschlossene Helme im Kopf ergibt diese Anweisung erstmal keinen Sinn.

Wie man auf den Bildern sieht gab es durchaus mehrere Helmformen, bei denen ein erfolgreicher Stich ins Gesicht oder durch das Visier eine große Gefahr für den Träger dargestellt hätte.

Schwerter im 15. Jahrhundert